Plastikmüll vergiftet auch Seen

 

Mikropartikel von Kunststoff (rot) im Verdauungstrakt von Wasserflöhen 
Foto: Current Biology, Imhof

Wasserlebewesen schlucken die winzigen Kunststoff-Teilchen, weil sie sie mit Beute verwechseln. Über den Fisch kommt das giftige Material wieder zurück auf unseren Tisch. Das gilt nicht nur für die Weltmeere. Forscher haben jetzt auch im Gardasee große Mengen an Plastikteilchen gefunden.

Plastikmüll gefährdet nicht nur die Ökosysteme in Ozeanen, sondern auch in Seen. Deutsche Forscher entdeckten am italienischen Gardasee mehr Plastikteilchen als erwartet. Die Partikel von weniger als fünf Millimetern Größe waren im Uferbereich des Sees teils genauso dicht verstreut wie an Meeresstränden, berichten die Wissenschaftler von der Universität Bayreuth und der Technischen Universität München in der Fachzeitschrift Current Biology.

Die winzigen Plastikteile stammten vorwiegend von Konsumgütern und Verpackungen. Weil die Teilchen so klein sind, können Fische, Würmer und andere wirbellose Tiere sie mit Nahrung verwechseln. Damit steigt das Risiko, dass giftige Plastikreste in die menschliche Nahrungskette gelangen. In Würmern, Schnecken, Muscheln, Wasserflöhen und Muschelkrebsen konnten die Forscher winzige fluoreszierende Kunststoff-Ablagerungen nachweisen. Diese Tiere sind am Gardasee heimisch und dienen als Nahrung für andere Tiere – beispielsweise Wasserflöhe, die eine Hauptnahrungsquelle für Fische sind. Und der kommt in vielen Restaurants fangfrisch auf den Tisch.

Die Experten hatten im Gardasee eine vergleichsweise geringe Wasserverschmutzung durch Plastik erwartet. Denn der See erstreckt sich direkt unterhalb der Alpen, Bäche und Flüsse haben keine lange Strecke zum See. Umso mehr überraschte die Forscher die hohe Zahl der Partikel. Sie vermuten, dass Süßwasserökosysteme nahe an städtischen Zentren und Industrien noch viel stärker betroffen sind.

Der Nordstrand des Gardasees war den Forschern zufolge erheblich dichter mit Plastikmüll verunreinigt als die südlichen Ufer. Ursache sei die häufige südwestliche Windrichtung. (dpa)

Quelle Berliner Zeitung vom  18. Oktober 2013