Natürliche Lebensmittel erkennen

Lust auf Pizza mit echtem Käse, Erdbeer-Joghurt mit echten Erdbeeren, Brötchen mit echtem Schinken? Keine Lust auf künstliche Aromen, „Form-Fleisch“ aus Fleischresten und "Analog-Käse" aus Billig-Fett? So findet man natürlich leckere und gesunde Lebensmittel ...

 

 

Billig-Zutaten teuer verkauft

Gestern hat das EU-Parlament die Zulassung von Thrombin gestoppt. Es wird verwendet, um winzige Fleischfetzen zusammenzukleben - die dann zum Beispiel als hochwertiger Schinken teuer verkauft werden können.

Die Technik des Fleichreste-Zusammenklebens ist jedoch nach wie vor erlaubt. So wie der so genannte Analog-Käse (s.u.), der vor einem knappen Jahr die Gemüter erhitzte.

Form-Schinken und Analog-Käse: Nur 2 von unzähligen Kunstprodukten, die gerne anstatt natürlicher Lebensmittel verkauft werden, am besten, ohne dass wir es merken. Der schlichte Grund: Sie sind billiger.

Und so setzt man uns Bananenmilch ohne Bananen vor, Cheeseburger ohne Käse, Vanille-Joghurt ohne Vanille, Zitronenkuchen ohne Zitrone, Milchspeiseeis ohne Milch, Schokokekse ohne Schokolade, "Garnelen" und "Schinken" aus Fischresten: Die Liste der Lebensmittel, die ihrem Namen nicht gerecht werden, ist lang.

Beispiele

  • Viele Milch- und Getreideprodukte, die mit Früchten oder Fruchtzubereitung werben, enthalten keine Spur von Obst; dafür aber Zucker und künstliche Aromen, denn das ist billiger.
  • Statt Käse wird inzwischen häufig Analog-Käse - auch Kunstkäse, Käse-Ersatz oder Käse-Imitat genannt - verkauft, ein Gemisch aus Wasser, Pflanzenfett, Milch-, Soja- oder Bakterieneiweiß, Stärke, Aromen, Emulgatoren und Farbstoffen. Es sieht ähnlich aus wie Käse, schmeckt ähnlich wie Käse und vor allem: Es kostet nur etwa halb so viel.
  • Statt Schinken liegt schon mal so genannter Form-Schinken bzw. Schinken-Ersatzprodukt oder Schinken-Imitat - im Volksmund Klebefleisch - auf Pizzen und Fleischtheken: Eine billige, wurstartige Masse aus Wasser, Stärke, Verdickungsmitteln und weiteren Zusatzstoffen, in die Fleischreste oder kleine Fleischstücke eingebettet sind. 

Meistens sind die künstlichen Lebensmittel-Zusätze nicht direkt gesundheitsschädigend und ihre Verwendung ist legal. Häufig sind sie jedoch geschmacklich und ernährungsphysiologisch minderwertig. Denn es fehlen die Vitamine, Mineralien und sonstigen Vitalstoffe der natürlichen Originale. Zum Beispiel enthält Käse-Imitat weniger Calcium, Kalium und Vitamin A, D und K als echter Käse.

Verbraucherverbände fordern deshalb, die Verwendung von künstlichen Lebensmittelzusätzen nicht zu verschleiern, sondern klar und deutlich auf den Verpackungen zu kennzeichnen. Außerdem sollten minderwertige Billig-Imitate der Fairness halber nicht zum gleichen Preis verkauft werden wie die oft deutlich teureren Originale.

Tipps zur Unterscheidung von Original und Fälschung

  • Nicht den Bildern auf Verpackungen und in der Werbung vertrauen. Häufig haben die Lebensmittel, die auf den Verpackungen abgedruckt sind, mit dem wahren Inhalt nicht das geringste zu tun. (Produkt-Beispiele der Verbraucherzentrale Hamburg).
  • Beim Lebensmittel-Einkauf auf die Zutatenliste schauen. Beispiel Käse-Imitat: Käse, Gauda, Emmentaler, etc. darf nur auf der Verpackung stehen, wenn auch echter Käse verarbeitet wurde. Bezeichnungen wie „Sandwich-Scheiben“, „Pizza-Belag“ oder nur „überbacken“ sind Hinweise auf Imitat-Produkte, ebenso die Bestandteile des Käse-Imitats, z.B. Pflanzenfett, Milcheiweiß oder Geschmacksverstärker. In der „Zubereitung mit Käse“ wurde Käse mit Käse-Imitat gestreckt. (Beispiele für die Deklaration von Käse-Imitat)
  • Bio-Produkte kaufen: In Bio-Produkten sind erheblich weniger künstliche Zusatzstoffe erlaubt als in konventionellen. Wer ganz sicher gehen will, greift zu Produkten seriöser Bio-Verbände wie demeter, Bioland oder Naturland. Sie fordern noch höhere Qualitätsstandards als das EU-Biosiegel.
  • Beim Bäcker, im Restaurant, in der Eisdiele, etc. nachfragen, welche Zutaten verwendet werden; sich im Zweifel die Verpackungen zeigen lassen. Ein ehrlicher Koch wird sich über Ihr Interesse freuen und gerne Auskunft geben. Wer auf solche Fragen abweisend reagiert, hat wahrscheinlich etwas zu verbergen.

Für Allergiker können „Lebensmittel-Ersatzstoffe“ übrigens eine willkommene Alternative zu echter Milch, echtem Obst oder Fleisch sein.

 

Quellen: Stern, Die Welt, Focus, Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz