Öko-Siegel Teil 2: Das Bio-Siegel – pragmatische Europa-Lösung

Darauf kann man sich verlassen: Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung

Fast täglich kommen neue Bio-Produkte auf den Markt: Bio-Wein, Naturkosmetik, sanfte Reisen, Kinderspielzeug, sparsame Autos, Bio-Dessous, Solarstrom, grüne Aktienfonds, ...

Was hiervon ist wirklich umweltfreundlich, fair bzw. sozial? Inzwischen gibt es über 1.000 verschiedene Umwelt-Siegel. Daneben wird eine Reihe von Begriffen verwendet, die keine Bedeutung haben. Da verliert man leicht den Überblick. Welche Gütezeichen sind seriös? Welche sind streng, welche eher lasch? Welche Begriffe sind irreführend?

Die biobay-Serie „Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung“ stellt die am weitesten verbreiteten seriösen Öko-Siegel vor.

Teil 2: Das Bio-Siegel – pragmatische Europa-Lösung

Das Bio-Siegel für Lebensmittel ist das in Deutschland am weitesten verbreitete Bio-Gütezeichen: Über 3.000 Unternehmen verwenden das Bio-Siegel auf über 50.000 Produkten (Stand Januar 2009).

Das staatliche Bio-Siegel wurde 2001 vom Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ins Leben gerufen. Es hat wesentlich zur Verbreitung ökologischer Lebensmittelerzeugung beigetragen.

Mit dem Bio-Siegel können Lebensmittel gekennzeichnet werden, die nach den EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau (EG-Öko-Verordnung) produziert und kontrolliert werden. Diese EU-weit gültige Rechtsvorschrift garantiert einheitliche Standards für den ökologischen Landbau. Die EG-Öko-Verordnung wurde zuletzt mit Wirkung zum 1.1. 2009 überarbeitet.

Vergabekriterien

Die wesentlichen Kriterien für das Bio-Siegel sind:

  • Zutaten zu mindestens 95% aus ökologischem Landbau, d.h.:
  • Weitgehendes Verbot chemisch synthetischer Pflanzenschutzmittel und synthetischer Düngemittel
  • Gebrauch von Tierantibiotika stark eingeschränkt
  • Kein Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO). (Unbeabsichtigte Verunreinigungen einzelner Zutaten mit GVO werden bis zu einem Anteil von 0,9% toleriert)
  • Weitestgehende Kreislaufwirtschaft unter Verwendung betriebseigener Mittel wie z.B. Dünge- und Futtermittel. Zugekaufte Betriebsmittel ebenfalls aus ökologischem Landbau
  • In Ausnahmefällen können chemisch-synthetische Betriebsmittel zugelassen werden, wenn geeignete Alternativen fehlen
  • Mindeststandards für artgerechte Tierhaltung
  • Falls in einem Betrieb sowohl konventionelle als auch Bio-Lebensmittel produziert werden, müssen beide Herstellungsprozesse klar voneinander abgegrenzt sein

Die Einhaltung dieser Standards wird regelmäßig durch staatlich zugelassene Öko-Kontrollstellen überprüft. Die jeweilige Kontrollstelle muss bei Deklaration auf den Produkten mit angegeben werden. Und zwar in Form eines Codes, der nach folgendem Schema aufgebaut ist: DE-000-Öko-Kontrollstelle. Dabei steht "DE" für Deutschland und "000" für die dreistellige Kennziffer der entsprechenden Kontrollstelle.

Auch die Begriffe "bio", "öko" und "aus kontrolliert biologischem Anbau" sind durch die EG-Öko-Verordnung geschützt. Wenn ein Produkt mit dem Begriff "bio" oder "öko" vermarktet wird, müssen die Richtlinien der EG-Öko-Verordnung eingehalten und dies von einer Öko-Kontrollstelle kontrolliert werden.

(Viele andere häufig verwendeten Bezeichnungen wie z. B. "aus kontrolliertem Anbau" haben hingegen keine rechtsverbindliche Bedeutung. Sie sind daher eher als irreführende Werbesprüche einzustufen.)

Das Bio-Siegel ist eine freiwillige Kennzeichnung von zertifizierten Bio-Produkten. Bio-Produkte müssen also nicht zwangsläufig mit dem Bio-Siegel gekennzeichnet sein.

Das Gütezeichen ist ein pragmatischer Kompromiss zwischen ökologischen Vorschriften und Ausnahmen, welche die Vergabe an viele Unternehmen und Produkte möglich machen. Diese Balance hat dem Siegel rasch zu weiter Verbreitung verholfen. Bio-Produkte sind laut unabhängigen Tests deutlich weniger schadstoffbelastet als konventionelle Lebensmittel. Und bleiben dabei erschwinglich. Es gibt  noch wesentlich strengere Gütesiegel für Nahrungsmittel - diese sind dann jedoch oft auch teurer.