Öko-Siegel Teil 5: BDIH – Kontrollierte Naturkosmetik

Darauf kann man sich verlassen: Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung.

Fast täglich kommen neue Bio-Produkte auf den Markt: Bio-Wein, Naturkosmetik, sanfte Reisen, Kinderspielzeug, sparsame Autos, Bio-Dessous, Solarstrom, grüne Aktienfonds, ...

Was hiervon ist wirklich umweltfreundlich, fair bzw. sozial? Inzwischen gibt es über 1.000 verschiedene Umwelt-Siegel. Daneben wird eine Reihe von Begriffen verwendet, die keine Bedeutung haben. Da verliert man leicht den Überblick. Welche Gütezeichen sind seriös? Welche sind streng, welche eher lasch? Welche Begriffe sind irreführend?

Die biobay-Serie „Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung“ stellt die am weitesten verbreiteten seriösen Öko-Siegel vor.

Teil 5: BDIH – Kontrollierte Naturkosmetik

Das BDIH-Prüfzeichen für kontrollierte Naturkosmetik wurde 2001 eingeführt und ist seitdem eine vertraute Konstante im immer größer werdenden Kosmetik-Angebot.

Es wurde bislang an ca. 5.000 Produkte vergeben.

Das Prüfsiegel wird vom BDIH verwaltet, dem Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel. Dem 1951 gegründeten Verband gehören über 500 Unternehmen aus den Bereichen Kosmetik, Ernährung, Krankheitsprophylaxe und Behandlung an (Stand: 2009).

Laut BDIH soll Naturkosmetik der Verschönerung und Pflege des menschlichen Körpers mittels Wirkstoffen aus der Natur dienen. Dies geschieht durch den Einsatz haut- und umweltfreundlicher natürlicher Rohstoffe wie pflanzliche Öle, Fette und Wachse, Kräuterextrakte, Blütenwässer, ätherische Öle und Aromen. Die Hersteller der Produkte, die mit dem BDIH-Prüfzeichen ausgezeichnet sind, stellen bei Entwicklung und Herstellung besondere Ansprüche an moderne, natürliche und hautverträgliche Pflege. Dazu gehört auch der behutsame Umgang mit pflanzlichen Wirk- und Pflegestoffen und die Berücksichtigung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse. Neben der sorgfältigen Auswahl der eingesetzten Rohstoffe spielen umweltschonende Herstellungsverfahren, Abbaubarkeit der Rohstoffe sowie der sparsame Einsatz recycelbarer Verpackungsmaterialien eine wichtige Rolle.

Die Vergabe des BDIH-Siegels Kontrollierte Naturkosmetik ist an folgende Richtlinien gebunden. Sie definieren den Begriff Naturkosmetik und schützen die Verbraucher vor Irreführungen.

Vergabekriterien

  • Pflanzliche Rohstoffe soweit möglich aus kontrolliert-biologischem Anbau (kbA) oder kontrolliert-biologischer Wildsammlung
  • Weder bei der Herstellung noch bei der Entwicklung oder Prüfung der Endprodukte werden Tierversuche durchgeführt oder in Auftrag gegeben
  • Der Einsatz von Stoffen, die von Tieren produziert werden (z.B. Milch, Honig), ist gestattet. Der Einsatz von Rohstoffen aus toten Wirbeltieren (z.B. Emuöl, Nerzöl, Murmeltierfett, tierische Fette, Collagen und Frischzellen) ist nicht gestattet
  • Keine Verwendung von genetisch veränderten Organismen
  • Neben physikalischen Verfahren einschließlich der Extraktion mit Wasser, pflanzlichem Alkohol, Kohlensäure, pflanzlichen Fetten und Ölen sowie hieraus gewonnenem Glycerin sind enzymatische und mikrobiologische Verfahren zulässig, wie sie in der Natur vorkommen
  • Es können Bestandteile verwendet werden, die durch Hydrolyse, Hydrierung, Veresterung, Umesterung oder sonstige Spaltungen und Kondensationen aus folgenden Naturstoffen gewonnen werden: Fette, Öle und Wachse, Lecithine, Lanolin, Mono-, Oligo- und Polysaccharide, - Proteine und Lipoproteine, Zucker, Stärke, Cellulose, Polysaccharide und Vitamine
  • Verzicht auf organisch-synthetische Farbstoffe, synthetische Duftstoffe, ethoxilierte Rohstoffe, Silikone, Paraffine und andere Erdölprodukte
  • Die Zulassung natürlicher Riechstoffe richtet sich nach der ISO-Norm 9235.
    Außerdem können biotechnologisch gewonnene Riechstoffe verwendet werden.
  • Neben natürlichen Konservierungsmethoden sind nur folgende naturidentische Konservierungsmittel zugelassen: Benzoesäure, ihre Salze und Ethylester, Salicylsäure und ihre Salze, Sorbinsäure und ihre Salze, Benzylalkohol. Die Verwendung dieser Konservierungsstoffe muss auf der Verpackung angegeben werden.
  • Keine radioaktive Bestrahlung von organischen Rohstoffen oder Endprodukten.
  • Ein BDIH-zertifiziertes Produkt darf nur dann als „Bio“ bezeichnet werden, wenn der Bioanteil im Verhältnis zu allen in Bioqualität möglichen Bestandteilen des Erzeugnisses (also ohne Wasser und Mineralien) mindestens 95 % beträgt.

Unabhängige Kontrollinstitute prüfen die angemeldeten Naturkosmetik-Produkte regelmäßig auf die Einhaltung dieser Richtlinien hin.

Weitere Ziele des BDIH

  • Verbraucheraufklärung und Transparenz bei der Herstellung
  • Aktiver Einsatz gegen Genmanipulation
  • Umweltschonende Herstellungsverfahren und maximale Abbaubarkeit der Rohstoffe und Fertigprodukte
  • Sparsame, umweltverträgliche und recyclingfähige Verpackungen
  • Soziale Verträglichkeit: Rohstoffe aus Fair Trade- und Dritte-Welt-Projekten, kollegiales Miteinander

Um den Naturkosmetik-Standard und das bekannte Prüfzeichen auch international zu verwenden, hat der BDIH die International Organic and Natural Cosmetics Corporation (IONC GmbH) gegründet. Ihre Aufgabe ist es, die weltweite Kontrolle von kosmetischen Mitteln nach BDIH-Standard zu organisieren. Das BDIH-Label steht so auch in einer englischsprachigen Version der IONC zur weltweiten Verwendung zur Verfügung.