Öko-Siegel Teil 6: MSC – Nachhaltiger Fischfang

Darauf kann man sich verlassen: Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung.

Fast täglich kommen neue Bio-Produkte auf den Markt: Bio-Wein, Naturkosmetik, sanfte Reisen, Kinderspielzeug, sparsame Autos, Bio-Dessous, Solarstrom, grüne Aktienfonds, ...

Was hiervon ist wirklich umweltfreundlich, fair bzw. sozial? Inzwischen gibt es über 1.000 verschiedene Umwelt-Siegel. Daneben wird eine Reihe von Begriffen verwendet, die keine Bedeutung haben. Da verliert man leicht den Überblick. Welche Gütezeichen sind seriös? Welche sind streng, welche eher lasch? Welche Begriffe sind irreführend?

Die biobay-Serie Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung stellt die am weitesten verbreiteten seriösen Öko-Siegel vor.

Teil 6: MSC - Nachhaltiger Fischfang

 

Der Marine Stewardschip Council MSC wurde 1997 von der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) und dem Lebensmittelkonzern Unilever gegründet.

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, weltweit die Fischbestände vor Überfischung und Ausrottung zu schützen. Hier gehen also langfristige wirtschaftliche Interessen mit dem Artenschutz Hand in Hand.

Seit 1999 ist der MSC eine selbstständige, gemeinnützige Organisation mit Sitz in London, die aus Spenden und Lizenzgebühren für das MSC-Siegel finanziert wird.

Derzeit sind weltweit ca. 30 Fischereien mit diesem Gütezeichen zertifiziert - sowohl kleine regionale Betriebe wie Westaustralische Languste und Themse Hering als auch große Fischereiunternehmen wie Alaska Wildlachs und Alaska Seelachs. Etwa 4 % des globalen Fischfangs stammt aus MSC-Fischereien, darunter 42 % der weltweiten Wildlachsfänge, 32 % der Weißfischfänge und 18 % der Hummerfänge.

MSC-zertifizierte Fischereien müssen nach folgenden Grundsätzen handeln:

  • Sie dürfen nicht zur Überfischung führen. Bei bereits erschöpften Fischbeständen muss die Fischerei so gestaltet werden, dass sie nachweisbar zu deren Erholung führt.
  • Sie müssen den Erhalt des Ökosystems, auf dem sie beruhen, und der biologischen Vielfalt im Meer ermöglichen.
  • Sie müssen Bestandteil eines effektiven Verwaltungssystems sein, das Gesetze und internationale Standards berücksichtigt und die Einhaltung 

der ersten beiden Punkte gewährleistet (z. B. indem es schonende Fangmethoden vorschreibt und wirtschaftliche und soziale Anreize für bestandserhaltende Fischerei vorsieht).

Das heißt:

  • Die Fangmengen dürfen nur so hoch sein und Alter, genetische Struktur und Geschlechterverhältnis der Fischbestände müssen so erhalten bleiben, dass die Fortpflanzung der Art nicht beeinträchtigt wird.
  • Die natürlichen Verhältnisse zwischen den verschiedenen Arten innerhalb eines Ökosystems müssen bestehen bleiben.
  • Das Töten und Verletzen von gefährdeten, bedrohten oder geschützten Arten muss auf das mögliche Minimum reduziert werden.
  • Es müssen umweltverträgliche Fangmethoden eingesetzt werden. Dies umfasst z.B. den Schutz des Meeresbodens und die Verringerung des Beifangs.
  • Laich- und Aufzuchtgebiete sowie einmalige Lebensräume werden geschützt.

Das MSC-Siegel auf einer Verpackung gibt also die Gewissheit, dass der enthaltene Fisch aus einer umweltverträglich arbeitenden Fischerei stammt, welche darauf ausgelegt ist, die Fischbestände auch für die Zukunft zu erhalten.

Die MSC-Standards wurden in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, Fischereiexperten und Umweltschutzorganisationen entwickelt. Ein unabhängiger, vom MSC akkreditierter Zertifizierer überprüft in einem transparenten Prozess die Einhaltung der MSC-Standards. Bei Erfolg wird das MSC-Siegel - meist unter Auflagen - für 5 Jahre verliehen. In diesen 5 Jahren soll eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Fischerei zu mehr Nachhaltigkeit erfolgen. Nach jährlichen Überprüfungen muss sich die Fischerei dann erneut dem Zertifizierungsprozess stellen, wenn sie das Siegel weiterhin führen will.

Das MSC-Siegel ist unbestritten ein Meilenstein auf dem Weg zu nachhaltiger und umweltschonender Fischerei. Und es ist schon jetzt eine hilfreiche Orientierung für Alle, die gerne Fisch essen, aber dabei das Ökosystem der Weltmeere nicht zerstören wollen.

Einigen Umweltverbänden gehen die Umwelt-Standards des MSC jedoch noch nicht weit genug: Sie werfen dem MSC vor, wirtschaftlichen Interessen mehr Gewicht zu geben als dem Umweltschutz und fordern strengeren Artenschutz und stärkere Beschränkungen der Fangmethoden. Hier ist also noch Raum für Verbesserungen.