Öko-Siegel Teil 7: IVN – Naturtextilien und Naturleder

Darauf kann man sich verlassen: Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung.

Fast täglich kommen neue Bio-Produkte auf den Markt: Bio-Wein, Naturkosmetik, sanfte Reisen, Kinderspielzeug, sparsame Autos, Bio-Dessous, Solarstrom, grüne Aktienfonds, ...

Was hiervon ist wirklich umweltfreundlich, fair bzw. sozial? Inzwischen gibt es über 1.000 verschiedene Umwelt-Siegel. Daneben wird eine Reihe von Begriffen verwendet, die keine Bedeutung haben. Da verliert man leicht den Überblick. Welche Gütezeichen sind seriös? Welche sind streng, welche eher lasch? Welche Begriffe sind irreführend?

Die biobay-Serie Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung stellt die am weitesten verbreiteten seriösen Öko-Siegel vor.

Teil 7: IVN – Naturtextilien und -leder

IVN steht für den 1989 gegründeten Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. Der Berufsverband sieht sich als Kommunikations- und Arbeitsplattform der Naturtextilbranche.

Der Verband zählt über 70 Mitglieds-Unternehmen aus Textilproduktion und -handel - darunter Alnatura, Engel Naturtextilien und Hess Natur-Textilien.

Zu ihrer Unternehmensphilosophie gehören der Schutz der Umwelt, ausgeprägte soziale Verantwortung, hoher Anspruch an die Produkt-Qualität und der Verbraucherschutz.

Der IVN tritt in allen Stufen der Produktion und des Vertriebs von Textilien und Leder für diese Werte ein und versucht, sie möglichst vielen Verbrauchern zu vermitteln.

Der bloße Begriff „Naturtextilien“ ist gesetzlich nicht geschützt, hat also im Grunde keine Bedeutung. Der IVN vergibt daher 2 Qualitätszeichen für ökologisch hergestellte Produkte, für deren Benutzung strenge Richtlinien eingehalten werden müssen: IVN-Naturtextil Best und IVN-Naturleder.

Die zugrunde liegenden Richtlinien dokumentieren den zur Zeit höchsten realisierbaren ökologischen und sozialen Standard für Textilien und Leder und sind zu einem Leitbild in der Branche geworden.

Vergabekriterien für das IVN-Naturtextil-Best-Siegel

Die Zertifizierung nach IVN schließt die Kontrolle sämtlicher beteiligter Produktionsbetriebe durch unabhängige Prüfinstitute ein: Den Bauern, der die Faser anbaut, die Spinnerei, Webereien und Strickereien, Nähereien, Modelabels und Ausrüster.

  • Gewebe oder Gestrick (ohne Reißverschlüsse, Bündchen, Einlagen, Futter, Knöpfe etc.) besteht zu 100% aus Naturfasern aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) – das heißt ohne synthetische Dünge- oder Pflanzenschutzmittel und mit artgerechter Tierhaltung. Synthetische Fasern sind nur in Ausnahmefällen erlaubt.
  • Knöpfe und Druckknöpfe dürfen nur aus natürlichen Rohstoffen oder Metall bestehen. Reißverschlüsse müssen stark belastbar sein (Gebot der Nachhaltigkeit).
  • Kein Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO).
  • Bei sämtlichen Verarbeitungsschritten wie Spinnen, Färben, Weben, Stricken, Ausrüsten, Zuschneiden und Nähen sind keine gesundheitlich oder aus Umwelt-Gesichtpunkten bedenklichen Substanzen erlaubt. (In konventioneller Textilproduktion wird eine Vielzahl erbgut- und fruchtschädigender, giftiger, allergener und krebserregender Chemikalien, Säuren und Laugen eingesetzt.)
  • Einhaltung von Qualitätsparametern bezüglich Reibechtheit, Schweißechtheit, Lichtechtheit, Einlaufwerten, Waschechtheit und - insbesondere für Babybekleidung - Speichelechtheit.
  • Minimierung und Überwachung von Abfall und Umweltbelastungen.
  • Sparsamer Umgang mit Wasser und Energie.
  • Die Produkte werden im Rahmen der Endkontrolle auf gesundheitlich bedenkliche Inhalttstoffe analysiert. Die maßgeblichen Grenzwerte sind erheblich strenger als die gesetzlich vorgeschriebenen.
  • Die Produkte müssen so gelagert und transportiert werden, dass eine Verunreinigung mit konventionellen Produkten und unzulässigen Substanzen oder ein Vertauschung verhindert wird. Die Verpackung darf kein PVC enthalten. Sämtliche Transportmittel und -wege werden dokumentiert.
  • Soziale Standards: Keine Zwangs- oder Kinderarbeit, sichere und hygienische Arbeitsbedingungen, existenzsichernde Löhne, feste Anstellungsverhältnisse.

Vergabekriterien für das IVN-Naturleder-Siegel

Auch für IVN-Naturleder werden alle Herstellungsstufen entlang der Prozesskette von der Rohware bis zum Verkauf und Gebrauch des fertigen Leders berücksichtigt.

  • Die Tierhäute stammen von Tieren, die vorwiegend zur Fleischgewinnung gehalten werden. So wird zusätzliche Tierzucht vermieden.
  • Wildlebende oder vom Aussterben bedrohte Tierrassen sind ausgeschlossen.
  • Nur bestimmte Gerbverfahren sind zugelasse, z.B. Kühlen und Salzen sowie pflanzliche Gerbverfahren, nicht zugelassen ist z.B. Chromgerbung.
  • Eingesetzte Reinigungsmittel sind biologisch abbaubar.
  • Farbstoffe AOX- und schwermetallfrei. Gewünscht ist die Verwendung von Pflanzenfarbstoffen.
  • Keine lösungsmittelhaltigen Finishs oder Beschichtungen.
  • Betrieb muss über eine zweistufige Kläranlage verfügen.
  • Möglichst kein Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO).
  • Wie bei IVN-Textilien gibt es für IVN-Naturleder strenge Schadstoff-Grenzwerte für das Endprodukt.
  • Qualitätsanforderungen bezüglich Reibechtheit oder Zugfestigkeit (Sie entsprechen den DIN- und ISO-Normen oder übertreffen diese).
  • Soziale Standards (analog IVN-Textilien): Keine Zwangs- oder Kinderarbeit, sichere und hygienische Arbeitsbedingungen, existenzsichernde Löhne, feste Anstellungsverhältnisse.

Der IVN ist Mitglied in der IWG, der International Working Group on Global Organic Textile Standard (GOTS). Dieser internationale Zusammenschluss ökologisch engagierter Verbände vergibt ein gleichnamiges weltweites Gütezeichen für Naturtextilien. (Es wird in einer späteren Folge vorgestellt).