Öko-Siegel Teil 8: Demeter - "Biologisch-Dynamischer Landbau"

Darauf kann man sich verlassen: Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung.

Fast täglich kommen neue Bio-Produkte auf den Markt: Bio-Wein, Naturkosmetik, sanfte Reisen, Kinderspielzeug, sparsame Autos, Bio-Dessous, Solarstrom, grüne Aktienfonds, ...

Was hiervon ist wirklich umweltfreundlich, fair bzw. sozial? Inzwischen gibt es über 1.000 verschiedene Umwelt-Siegel. Daneben wird eine Reihe von Begriffen verwendet, die keine Bedeutung haben. Da verliert man leicht den Überblick. Welche Gütezeichen sind seriös? Welche sind streng, welche eher lasch? Welche Begriffe sind irreführend?

Die biobay-Serie Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung stellt die am weitesten verbreiteten seriösen Öko-Siegel vor.

Teil 8: Demeter - "Biologisch-Dynamischer Landbau"

Die Demeter-Richtlinien gehen auf den Anthroposophen Rudolf Steiner in den 20er-Jahren zurück. Sie sind geprägt von tiefem Respekt vor natürlichen Lebens- und Wachstumsprozessen, der Lebendigkeit von Böden, Pflanzen und Tieren. 1928 wurde das Demeter-Warenzeichen eingeführt, und erste Qualitätsmerkmale für Demeter-Produkte wurden formuliert. 

Die Demeter-Vorschriften schließen die Richtlinien des EU-Biosiegels ein und gehen weit darüber hinaus. (Hier ein Vergleich der beiden Siegel).

Demeter steht für Produkte der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise. Der gesamte Hof versteht sich als eine biologische Einheit: Jeder Demeter-Hof hält Nutztiere. Sie werden mit hofeigenem Futter versorgt, art- und wesensgerecht gehalten und ihr Mist dient als Dünger.

Durch selbst hergestellte Präparate aus Mist, Heilpflanzen und Mineralien wird die Bodenfruchtbarkeit in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft nachhaltig gefördert und das charakteristische Aroma der Lebensmittel voll entwickelt. Durch die nachhaltige Landbewirtschaftung wird die Humusschicht nicht ausgelaugt, sondern wächst auf natürliche Weise an.

Demeter-Bauern achten nicht nicht allein auf die konkreten materiellen Substanzen und physischen Kräfte der Natur, sondern auch auf die gestaltenden Kräfte des Kosmos. Sensible Naturbeobachtungen schulen und beeinflussen ihre Arbeit.

Vor allem Lebensmittel wie Milchprodukte, Babynahrung und Wein, aber auch Kosmetik und Textilien gehören zum Demeter-Sortiment.

Durch die Förderung regionaler, bäuerlich-handwerklicher Betriebe möchte Demeter eine große Vielfalt von Produkten „mit Charakter“ erzeugen.

Vergabekriterien

  • Beinhaltet die Standards des EU-Biosiegels, ergänzt um strengere Richtlinien.
  • Der gesamte Betrieb muss ökologisch bewirtschaftet sein.
  • 100 % Bio-Futter alle Tiere, mindestens 80 % der Futterration für Wiederkäuer und mindestens 50 % des gesamten Tierfutters muss Demeter-Qualität haben, 50 % muss vom eigenen Hof stammen.
  • Das Saatgut wird selbst gezüchtet, teils durch Weiterzüchtung Jahrtausende alter Kulturpflanzen.
  • Art- und wesensgerechte Tierhaltung.
  • Biologisch-dynamische Wirtschaftsweise: Aktive natürliche Förderung der Bodenfruchtbarkeit.
  • Beachtung kosmischer Rhythmen bei Aussaat/Pflanzung und Ernte.
  • Keine Verwendung von Aroma- oder anderen Zusatzstoffen.
  • Keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in Lebensmitteln, im Tierfutter oder bei der Weiterverarbeitung, keine Verfütterung von Hormonen und Antibiotika.
  • Zusatzstoffe in der Lebensmittelverarbeitung nur dann erlaubt, wenn sie unabdingbar sind.
  • Förderung regionaler, bäuerlich-handwerklicher Produktion.

In Deutschland wirtschaften ca. 1.400 Landwirte mit über 50.000 Hektar Fläche biologisch-dynamisch. Weltweit werden in über 3.500 Betrieben mit ca. 100.000 Hektar Fläche Demeter-Produkte im Wert von schätzungsweise 220 Millionen Euro produziert.

Zum Demeter e.V. gehören zudem die Vertreter von etwa 330 Demeter-Herstellern und -Verarbeitern sowie Vertragspartner aus dem Naturkost- und Reformwaren-Großhandel.

Demeter ist eine weltweite Marke, die in 38 Ländern verwendet wird. Die Einhaltung der Demeter-Richtlinien erfolgt durch akkreditierte Prüfinstitute. Lückenlos wird überprüft, ob vom Anbau bis zur Verarbeitung die konsequenten Richtlinien des Demeter-Verbandes eingehalten werden. Hinzu kommt die staatliche, jährliche EG-Bio-Kontrolle nach der EG-Bio-Verordnung.