Öko-Siegel Teil 9: GOTS – The Global Organic Textile Standard

Darauf kann man sich verlassen: Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung.

Fast täglich kommen neue Bio-Produkte auf den Markt: Bio-Wein, Naturkosmetik, sanfte Reisen, Kinderspielzeug, sparsame Autos, Bio-Dessous, Solarstrom, grüne Aktienfonds, ...

Was hiervon ist wirklich umweltfreundlich, fair bzw. sozial? Inzwischen gibt es über 1.000 verschiedene Umwelt-Siegel. Daneben wird eine Reihe von Begriffen verwendet, die keine Bedeutung haben. Da verliert man leicht den Überblick. Welche Gütezeichen sind seriös? Welche sind streng, welche eher lasch? Welche Begriffe sind irreführend?

Die biobay-Serie Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung stellt die am weitesten verbreiteten seriösen Öko-Siegel vor.

Teil 9: GOTS – The Global Organic Textile Standard

Dieser weltweit bekannte und verbreitete Standard wird seit 2008 von der International Working Group on GOTS entwickelt, einem Zusammenschluss deutscher, englischer, amerikanischer und japanischer Naturtextilien-Verbände. Von deutscher Seite arbeitet der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) in der Arbeitsgemeinschaft mit.

Die Vorgaben des GOTS sind ein international gültiger Mindeststandard für Naturtextilien. Sie setzen weltweit einheitliche Maßstäbe für umwelt- und sozialverträgliche Textilien.

Als Vorlage für die Siegel-Richtlinien diente der Naturtextil-Standard des IVN. Das IVN-Naturtextil-Siegel wird praktisch vom GOTS-Siegel abgelöst. (Auch weiterhin vergeben wird das IVN-Naturtextil-Best-Siegel, welches noch strengere Richtlinien vorgibt.)

Ein Grundsatz des GOTS ist die Berücksichtigung der gesamten Produktionskette von der Rohstoff-Gewinnung bis zur Verpackung. Zwischen der Baumwollernte und dem fertigen Pullover im Laden können bis zu 100 Arbeitsschritte liegen. Bei jedem Arbeitsschritt wird auf umweltschonende Verfahren, gesundheitsverträgliche Werkstoffe und soziale Standards geachtet.

Vergabekriterien

  • GOTS-Produkte müssen zu mindestens 90 % aus Naturfasern bestehen. Dazu zählen etwa Baumwolle, Schurwolle, Seide oder Leinen. Höchstens 10 % dürfen synthetische Fasern oder Viskose sein. (Ausnahme: Für Socken, Leggins und Sportbekleidung dürfen bis zu 25 % synthetische Fasern eingesetzt werden.)
  • Davon müssen mindestens 70 % von Pflanzen oder Tieren aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) bzw. kontrolliert biologischer Tierzucht (kbT) stammen.
  • Genetisch manipulierte Baumwolle ist nicht erlaubt. Beim kontrolliert-biologischen Anbau schützen wechselnde Fruchtfolge und Mischbepflanzungen das Wachstum der Baumwolle. Es dürfen nur natürliche Düngemittel benutzt werden, chemische Entlaubungsmittel sind verboten. Das macht eine Ernte per Hand notwendig.
  • Bei der Herstellung der Textilien sind gesundheitlich bedenkliche oder umweltschädigende Stoffe ausgeschlossen. So sind zum Beispiel Ammoniak oder Chlor als Bleichmittel verboten; eine Aufhellung der Fasern darf nur mit Sauerstoff erfolgen. Bei den Farbstoffen sind beispielsweise Formaldehyd, Schwermetalle und Azofarbstoffe tabu. Grundsätzlich soll der Einsatz von Farben, die Allergien auslösen könnten, vermieden werden.
  • Bei der Aufrüstung (knitterfrei, wasserabweisend) dürfen keine synthetischen Hilfsstoffe benutzt werden. Diese sind nur beim Weichmachen, Walken und Filzen erlaubt. Statt dessen setzt der GOTS hier auf Wärme, Feuchtigkeit und Druck.
  • Reißverschlüsse und Knöpfe müssen frei von Nickel und Chrom sein. Sind sie aus Kunststoff gefertigt, dürfen sie kein PVC enthalten.
  • Das gleiche gilt auch für die Verpackung der Ware. Denn das GOTS-Siegel steht nicht nur für gesundheitlich unbedenkliche, sondern auch für umweltfreundliche Produkte.
  • Die fertigen Textilien werden daraufhin geprüft, ob enthaltene gesundheitsgefährdende und umweltbelastende Stoffe die in den Kriterien definierten Grenzwerte nicht überschreiten.
  • Bei der Herstellung der Textilien soll so wenig Wasser und Energie verbraucht werden, wie möglich.
  • Es gelten die Sozialstandards der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) als Mindeststandard: Gerechte Löhne, Arbeitsschutz und Vereinigungsfreiheit; Verbot von Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Misshandlung oder Diskriminierung.

Die am Herstellungsprozess beteiligten Betriebe werden einmal im Jahr kontrolliert und zertifiziert. Zusätzlich können auch unangemeldete Kontrollen durchgeführt werden.