Öko-Siegel Teil 10: Naturland - gesund, umweltschonend und sozial

Darauf kann man sich verlassen: Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung.

Fast täglich kommen neue Bio-Produkte auf den Markt: Bio-Wein, Naturkosmetik, sanfte Reisen, Kinderspielzeug, sparsame Autos, Bio-Dessous, Solarstrom, grüne Aktienfonds, ...

Was hiervon ist wirklich umweltfreundlich, fair bzw. sozial? Inzwischen gibt es über 1.000 verschiedene Umwelt-Siegel. Daneben wird eine Reihe von Begriffen verwendet, die keine Bedeutung haben. Da verliert man leicht den Überblick. Welche Gütezeichen sind seriös? Welche sind streng, welche eher lasch? Welche Begriffe sind irreführend?

Die biobay-Serie Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung stellt die am weitesten verbreiteten seriösen Öko-Siegel vor. 

Teil 10: Naturland - gesund, umweltschonend und sozial

 

Der gemeinnützige Naturland-Verband für ökologischen Landbau e.V. wurde 1982 mit Sitz in Gräfelfing bei München gegründet. Heute ist Naturland eine der bedeutendsten Organisationen des Ökologischen Landbaus weltweit.

Ziel ist es, gesunde naturbelassene Produkte zu erzeugen, bei deren Herstellung die Umwelt nicht zu belasten und allen Beteiligten faire Bedingungen zu garantieren. Der Verband gibt immer wieder innovative Impulse zu nachhaltiger Produktion und Verbraucherschutz.

Naturland ist nach eigenen Angaben der einzige Öko-Verband, der zusätzlich soziale Richtlinien vorschreibt. Hier wird also der Umweltaspekt mit dem Gedanken des fairen Handels in einem Gütesiegel vereint.

Naturland engagiert sich weit über die Lebensmittelproduktion hinaus: Zum Beispiel entwickelt und kontrolliert der Verband auch umfassende ökologische und soziale Richtlinien für Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Aquakultur, Textilien und Kosmetik.

Dabei werden nicht nur die Rohstoffe, sondern auch sämtliche Verarbeitungsschritte der Produktion und die dabei verwendeten Hilfsmittel und Verfahren betrachtet.

Die Naturland-Vorschriften schließen die Richtlinien des EU-Biosiegels ein und gehen weit darüber hinaus. (Vergleich der beiden Siegel als .pdf-download)

Vergabekriterien

Für Lebensmittel:

  • Beinhaltet die Standards des EU-Biosiegels, ergänzt um strengere Richtlinien
  • Gesamter Betrieb muss ökologisch bewirtschaftet sein
  • Keine gentechnisch veränderten Pflanzen in Lebensmitteln und im Tierfutter
  • Keine chemisch-synthetischen Dünger und Pestizide
  • Saatgut und Tierfutter aus ökologischem Anbau, Saatgutzucht zu mindestens 50% auf eigenem Hof
  • Artgerechte Tierhaltung
  • Keine Verwendung künstlicher Aromastoffe
  • Sozialrichtlinien sorgen für faire Arbeitsbedingungen und Geschäftspartnerschaften

Für Textilien:

  • Endprodukt muss zu mindestens 95 % aus Naturfasern bestehen
  • Keine Verwendung von PVC, Chrom oder Nickel sowie gentechnisch veränderter Organismen (GVO)
  • Verbot gesundheitsgefährdender Zusätze wie Schwermetallen, Azofarbstoffen, Formaldehyd, Fungiziden und Bioziden
  • Verbot gesundheitsgefährdender Hilfsmittel bei der Verarbeitung (Spinnen, Weben, Färben, Bleichen, Bedrucken, ...)

Für Kosmetik:

  • Kein Einsatz von künstlichen Farb- und Aromastoffen, Antioxidantien, Nanopartikeln, Weichmachern, synthetischen Ölen und Fetten, Silikonen, synthetischen Lichtschutzfiltern.
  • Pflanzliche Inhaltsstoffe genügen den Bioland-Richtlinien
  • Keine Tierversuche erlaubt, außer wenn sie gesetzlich vorgeschrieben sind.
  • Nur bestimmte Verarbeitungsverfahren erlaubt
  • Nur unbedenkliche Treibgase für Sprühdosen sind erlaubt
  • Tierprodukte erlaubt, Tierbestandteile jedoch nicht
  • Nur bestimmte Konservierungsstoffe sind erlaubt und auch nur dann, wenn es keine natürlichen Methoden der Haltbarkeitmachung gibt. Sie müssen gekennzeichnet werden.

In Deutschland bewirtschaften über 2000 Naturland-Betriebe eine Fläche von über 148.000 Hektar (Stand 2008). Weltweit bewirtschaften über 50.000 Bauern eine Fläche von über 160.000 Hektar.

Das umfassende Naturland-Zertifizierungssystem ist gemäß deutschen und internationalen Normen akkreditiert (DIN EN 45011 (ISO 65) , IFOAM und USDA/NOP).

Naturland Betriebe werden mindestens einmal jährlich von unabhängigen, staatlich anerkannten Kontrollstellen auf konsequente Umsetzung der Naturland-Richtlinien hin überprüft. Zusätzlich finden unangemeldete Stichprobenkontrollen statt.