Öko-Siegel Teil 13: ok power - Ökostrom mit Umwelt-Nutzen

Darauf kann man sich verlassen: Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung.

Fast täglich kommen neue Bio-Produkte auf den Markt: Bio-Wein, Naturkosmetik, sanfte Reisen, Kinderspielzeug, sparsame Autos, Bio-Dessous, Solarstrom, grüne Aktienfonds, ...

Was hiervon ist wirklich umweltfreundlich, fair bzw. sozial? Inzwischen gibt es über 1.000 verschiedene Umwelt-Siegel. Daneben wird eine Reihe von Begriffen verwendet, die keine Bedeutung haben. Da verliert man leicht den Überblick. Welche Gütezeichen sind seriös? Welche sind streng, welche eher lasch? Welche Begriffe sind irreführend?

Die biobay-Serie Die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütezeichen und ihre Bedeutung stellt die am weitesten verbreiteten seriösen Öko-Siegel vor. 

Teil 13: ok power - Ökostrom mit Umwelt-Nutzen 

Der EnergieVision e.V. - Verein zur Förderung von Nachhaltigkeit und Markttransparenz in der Energiewirtschaft wurde im Juli 2000 gegründet.

Der Verein verfolgt das Ziel, den Verbraucher- und Umweltschutz in der Energiewirtschaft zu fördern, insbesondere durch Schaffung von Transparenz und objektiver Information zur Stromerzeugung.

Hierzu vergibt EnergieVision das Ökostrom-Gütezeichen ok power. Dieses Siegel kann an Stromprodukte vergeben werden, welche im Rahmen der Stromerzeugung einen Umweltnutzen schaffen, der nachweislich über den ohnehin gesetzlich festgelegten Normen und der Nutzung der ohnehin bestehenden Anlagen liegt. Dies sind Stromprodukte, die für einen weiteren Ausbau umweltfreundlicher Stromerzeugung sorgen.

Zur umweltfreundlichen Stromerzeugung zählt EnergieVision ökologisch installierte Erneuerbare Energiequellen wie Wind- Wasser- und Solarenergie sowie Erdgaskraftwerke mit hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung. (Bei der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wird auch die Abwärme der Kraftwerke genutzt, was den Wirkungsgrad etwa verdoppeln kann.) Der Anteil des KWK-Stroms in einem Stromprodukt darf aber höchstens 50% betragen.

Mit der Vergabe des ok-power-Labels möchte der EnergieVision e.V Wettbewerbsverzerrungen entgegenwirken, die durch irreführende Herstellerangaben oder mangelhafte Information über Stromprodukte entstehen können.

Gründer und Träger des EnergieVision e.V. sind

  • das Öko-Institut e.V.
  • die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V.
  • der World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland

Vergabekriterien für das ok power-Siegel

  • Das ok power-Siegel wird an Stromprodukte vergeben, über welche Endverbraucher in Deutschland Strom beziehen können.
  • Der gelieferte Strom wird zu mindestens 50% aus Erneuerbaren Energiequellen gewonnen, der Rest stammt aus Gaskraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung.
  • Für die Erneuerbaren Energiequellen gelten folgende Einschränkungen:
  • Strom aus Wasserkraft stammt aus reaktivierten oder sanierten Anlagen, bei denen die Eingriffe in den Naturhaushalt vergleichsweise gering sind.
  • Neue Anlagen sind auf Laufwasserkraftwerke beschränkt.
  • Wasserkraftanlagen müssen ihre ökologische Verträglichkeit hinsichtlich der Faunadurchgängigkeit, des Geschiebemanagements, der Restwassermenge sowie des Schwall-Sunk-Betriebs nachweisen.
  • Windkraft-Anlagen in Nationalparks und anderen ausgewiesenen Schutzgebieten (On- oder Offshore) sind nicht zulässig.
  • Biomasse: Alt- und Restholz darf nur verwendet werden, wenn es sich um naturbelassenes bzw. nur mechanisch behandeltes Holz oder um Recyclingprodukte mit RAL-Gütezeichen 428 (oder vergleichbaren Standard) handelt.
  • Biomasse aus Anbau ist nur zulässig, wenn die Brennstoffe aus zertifiziertem Öko-Anbau oder aus FSC-zertifizierten Forstbetrieben stammen.
  • Fotovoltaik-Anlagen auf Freiflächen in Nationalparks, Naturschutzgebieten, Biosphärenreservaten und Landschaftsschutzgebieten sind nicht zulässig.
  • In jedem Kalenderjahr muss mindestens 1/3 des gelieferten Stroms aus Kraftwerken stammen, die höchstens seit 6 Jahren in Betrieb sind. Mindestens 2/3 des gelieferten Stroms müssen Kraftwerken stammen, die höchstens seit 12 Jahren in Betrieb sind. So soll der stetige Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung forciert werden.
  • Der Strom darf auch im Ausland erzeugt werden.

Die ok power-Zertifizierung gilt jeweils für ein Jahr und die gesamte ausgelieferte Stromproduktion in diesem Zeitraum. Die Kontrolle der Siegelkriterien wird durch unabhängige Gutachter durchgeführt. 

Es wird zwischen einem Händlermodell und einem Fondsmodell unterschieden.

Beim Händlermodell erzeugt der Stromanbieter Strom aus Erneuerbaren Energiequellen selbst oder kauft ihn von einem Drittanbieter auf und leitet ihn an seine Kunden weiter.

Beim Fondsmodell wird mit einem Teil des Strompreises die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien finanziert, die allein mit der Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) nicht rentabel wäre.

Die zertifizierten Stromprodukte sind jederzeit auf der Website des EnergieVision e.V. einsehbar. Hier kann man sich einfach einen zertifizierten Öko-Strom-Anbieter aussuchen und über die Kraftwerke informieren, aus denen ihr Strom gewonnen wird bzw. die sie über Fondsmodelle fördern.

Hintergrund

Umweltfreundlicher Strom, allgemein Ökostrom genannt, verursacht bei der Erzeugung möglichst wenig Umweltschäden durch Landschaftsveränderungen oder Schadstoffemissionen. Je mehr Strom auf umweltfreundliche Art und Weise erzeugt wird, desto mehr veraltete, umwelt- und klimaschädliche Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke können ersetzt werden. Das ist das Ziel jedes seriösen Ökostromproduktes.

In Deutschland wird die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert. Alle Stromkonzerne sind verpflichtet, Ökostrom zu fest gelegten Preisen aufzukaufen, die über dem Marktpreis liegen. Dieser Pflichtanteil an Ökostrom im deutschen Strommix wird häufig EEG-Strom genannt. Die Mehrkosten werden über den Stromverkaufspreis auf alle Stromverbraucher umgelegt.

Der Ökostrom-Anteil in Deutschland liegt derzeit je nach Definition bei 16-18% (Stand: Ende 2009). Der Rest - also über 80% des Stroms - wird in Deutschland aus fossilen Energieträgern (Kohle, Gas, Erdöl) und Atomkraft gewonnen. Der deutsche Strommix kann also - auch unter Berücksichtigung des EEG-Strom-Anteils - nicht als Ökostrom bezeichnet werden.

Viele Stromanbieter bieten Produkte an, die irreführenderweise als "ökologisch", "grün" oder "umweltfreundlich" bezeichnet werden: Hier wird lediglich ohnehin produzierter Strom aus alten Wasserkraftwerken irgendwo in Europa oder der ohnehin gesetzlich vorgeschriebene EEG-Strom aus Deutschland an einen Teil der Kunden verkauft - gerne mit einem völlig ungerechtfertigten Preisaufschlag; die übrigen Kunden bekommen dann reinen Kohle- und Atomstrom. Für die Stromkonzerne ein gutes Geschäft, für die Umwelt jedoch kein Vorteil.

Ein Stromprodukt kann nur dann als wirklich umweltfreundlich bezeichnet werden, wenn es Erneuerbare Energien über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus fördert und einen weiteren Ausbau umweltfreundlicher Stromerzeugung bewirkt. Genau das wird durch seriöse Ökostromsiegel wie das ok-power-Siegel gewährleistet.

Jeder Stromverbraucher, der sich für ein echtes zertifiziertes Ökostromprodukt entscheidet, kann dadurch aktiv zu einem zusätzlichen Ausbau umweltfreundlicher Stromerzeugung beitragen - mit echtem Nutzen für die Umwelt