Welchen Öko-Siegeln kann man trauen?

Inzwischen klebt auf jedem zweiten Prudukt irgendein Zeichen, das nach "Bio"/"Öko" aussieht. Kann man den ganzen Bio-Siegeln überhaupt trauen?

Seriöse Öko-Siegel

 

Seriösen Öko-Siegeln kann man trauen - so wie man dem Auto-TÜV traut. Das belegen unzählige unabhängige Untersuchungen.

Voraussetzung ist aber, dass man die wirklich aussagekräftigen Siegel kennt und sich von irreführenden Werbebildchen und -texten nicht verwirren lässt.


Lebensmittel: Schwer zu durchschauen

In der Tat ist der Lebensmittel-Einkauf verwirrend: Wir werden mit einer Flut von Marken- und Produktnamen, Bildern, Werbesprüchen und -filmen und eben auch Siegeln konfrontiert. Und vieles davon ist tatsächlich nichtssagend, absichtlich irreführend oder schlichtweg falsch.

Beispiele hierfür sind hinlänglich aus der Presse bekannt: Da lacht einen frisches Obst vom Joghurtdeckel an, obwohl nur künstliche Aromen drin sind. Da stehen Kühe auf saftigen Almen auf Milchpackungen von Herstellern, deren Kühe ihr Lebtag kein Tageslicht sehen. Da wird Pestizid-belastete Billigware mit Wörtern wie "umweltschonend", "naturgerecht", „kontrollierter Anbau“ oder "naturnah" beworben. Von den netten Omas, die laut Werbespots unsere Lebensmittel in malerischen Almhütten von Hand zusammen rühren, ganz zu schweigen ...

 

Seriöse Gütesiegel helfen weit mehr als erfundene Werbebildchen

Gerade weil bei Lebensmitteln so viel getäuscht und getrickst wird, gerade weil die Hersteller uns so oft im Dunkeln lassen über Inhalte und Produktionsbedingungen, können Gütesiegel beim Einkauf enorm helfen.

Denn die Schwierigkeit bei Lebensmitteln ist, dass man die Qualität nicht feststellen kann. Man sieht einer Apfelsine nicht an, ob Pflanzenschutzmittel in ihrer Schale stecken, man sieht einer Nudelpackung nicht an, ob Käfigeier verarbeitet wurden,

 

Bio-Siegel informieren zuverlässig über die Lebensmittel-Qualität

Genau solche Informationen geben uns Gütesiegel. Sie zeigen auf einen Blick, welche Qualitätsnormen das jeweilige Produkt tatsächlich erfüllt - im Gegensatz zu frei erfundenen Werbebildchen. So können sie uns einfach und schnell beim Einkauf helfen. Ökologische Gütezeichen übernehmen - vor allem bei Lebensmitteln - mehr und mehr die Rolle von Marken.

Voraussetzung ist allerdings, dass man hier die Spreu vom Weizen trennt - so wie man es bei anderen Marken auch tut - und die wirklich aussagekräftigen Gütezeichen kennt. Das ist gar nicht so kompliziert, denn davon gibt es nicht so viele: Bei Lebensmitteln kommt man bestens zurecht, wenn man 5-10 seriöse Siegel kennt, bei Kleidung, Kosmetik, Strom oder Möbeln sind es noch viel weniger.

 

Wie erkennt man vertrauenswürdige Öko-Siegel?

Ein seriöses Gütezeichen zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

 

1. Sinnvolle, transparente Siegel-Kriterien

Welche Hersteller bzw. welche Produkte das Siegel tragen dürfen, ist durch einen Kriterienkatalog eindeutig definiert, der öffentlich einsehbar ist. So ist für jedermann transparent, welche Qualitätsanforderungen Waren erfüllen müssen, die das Siegel tragen.

Ob die Kriterien eines Siegels sinnvoll sind oder nicht, ist freilich für den Laien im Detail oft schwer einzuschätzen, sie können viele DIN-4-Seiten füllen. Da muss man sich auf das Urteil der Medien und Umweltverbände verlassen - oder selbst inhaltlich in die Tiefe gehen.

 

2. Kontrolle durch unabhängige Prüfinstitutionen

Für die meisten hochwertigen Gütesiegel steht vor der Siegelvergabe eine umfangreiche Zertifizierung: Der gesamte Betrieb wird auf die Einhaltung der Siegelkriterien hin untersucht.

In der Folge finden mindestens 1-mal im Jahr Kontrollen statt. Im Idealfall wird die gesamte Produktionskette überprüft: Alle Zulieferer bzw. alle eingekauften Rohstoffe und Halbfertigwaren, die Produktion bzw. Weiterverarbeitung und das Endprodukt.

Die Prüfinstitutionen werden ihrerseits regelmäßig daraufhin überprüft, ob sie die Siegelkontrollen verlässlich durchführen, also die Einhaltung der Kriterien bzw. Verstöße zuverlässig feststellen und dokumentieren.

Erfüllt ein Gütesiegel diese Bedingungen, kann man ihm vertrauen - so, wie man auch der PKW-Untersuchung durch den TÜV vertraut. (Der TÜV vergibt übrigens ebenfalls Öko-Siegel, z.B. für Kinderspielzeug)

Klar: Auch hier werden in Einzelfällen Fehler gemacht, auch hier gibt es schwarze Schafe - genau wie beim Auto-TÜV - aber unzählige Tests belegen, dass Bio-Produkte um ein vielfaches weniger Schadstoff-belastet sind als konventionelle Ware.

 

Beispiele für verlässliche Lebensmittel-Siegel:

Das am weitesten verbreitete seriöse Gütesiegel für Lebensmittel ist das EU-Bio-Siegel.

Es legt praktikable Mindeststandards für eine naturnahe Erzeugung von Lebensmitteln und artgerechte Tierhaltung fest und wird durch die unabhängigen Öko-Kontrollstellen kontrolliert, die auf zertifizierten Produkten mit angegeben werden.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Öko-Anbauverbänden, die zum Teil noch erheblich strengere und umfassendere Anforderungen an Umwelt- und Naturschutz sowie die Qualität der Lebensmittel stellen. Als Beispiele sind demeter, Bioland und Naturland zu nennen. Auf ihren Websites erklären diese Verbände, wie sich ihre Kriterien von denen des EU-Bio-Siegels unterscheiden.

So lässt Bioland z.B. keine Teilumstellungen eines Betriebes auf Öko-Anbau zu und vergibt das Bioland-Siegel nur, wenn ein Lebensmittel zu 100 % aus Öko-Anbau stammt. (Beim EU-Bio-Siegel ist ein Anteil von mindestens 95 % vorgeschrieben.) Bioland erlaubt außerdem weniger Düngemittel, Zusatzstoffe und Verarbeitungsverfahren, schreibt weitreichendere Maßnahmen zur artgerechten Tierhaltung vor und macht strengere Vorgaben zur Futterqualität. (Vergleich der beiden Siegel)

Auch für andere Alltagsprodukte wie Kleidung, Kosmetik oder Möbel gibt es seriöse, verlässliche ökologische Gütezeichen.

In der biobay-Ökosiegel-Liste sind die wichtigsten ökologischen und sozialen Gütesiegel beschrieben.

 

Auf die Aussage der Siegel achten

Die verschiedenen Gütesiegel haben individuelle Schwerpunkte. Einige Beispiele:

  • Bei den Bio-Siegeln wie dem EU-Biosiegel, demeter oder Bioland stehen der Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe wie Gentechnik und Pflanzenschutzmittel, eine naturnahe Hofwirtschaft sowie eine artgerechte Tierhaltung im Vordergrund.
  • Das FairTrade-Siegel hingegen garantiert ausschließlich faire Handelsbeziehungen und soziale Standards wie Mindestlöhne und Bildungschancen bei der Rohstofferzeugung.
  • Das Verbrauchermagazin Ökotest prüft die Endprodukte auf ganz spezifische Inhaltsstoffe. Hier wird also ausschließlich die Produktqualität untersucht.